Folien in der Werbetechnik: Aufbau, Kleber und Einsatz

Folie ist nicht gleich Folie. Zwei Rollen können gleich aussehen und sich auf dem Fahrzeug völlig verschieden verhalten — die eine legt sich in die Sicke, die andere zieht sich nach vier Wochen zurück. Der Unterschied steckt im Aufbau und im Kleber. Diese Seite erklärt beides.

Wie eine Werbefolie aufgebaut ist

Was auf der Rolle liegt, ist ein Schichtpaket. Von unten nach oben: das Trägerpapier, der Kleber, der eigentliche Farbfilm — und bei bedruckter Ware obendrauf ein Laminat.

Querschnitt einer laminierten Werbefolie Von oben nach unten: Laminat, Folienschicht, Klebeschicht mit Luftkanälen, Trägerpapier. Darunter der Untergrund, auf den die Folie verklebt wird. Aufbau einer laminierten Werbefolie Laminat schützt vor UV, Kratzern und Reinigung Folienschicht der farbige PVC-Film, gegossen oder kalandriert Klebeschicht permanent oder ablösbar, oft mit Luftkanälen Trägerpapier wird beim Verkleben abgezogen Untergrund Lack, Glas, Blech, Platte Die Rillen in der Klebeschicht sind die Luftkanäle: eingeschlossene Luft entweicht, statt Blasen zu bilden. Gestrichelt: hier wird das Trägerpapier abgezogen.

Das Trägerpapier hält den Kleber sauber, bis die Folie verklebt wird. Es ist silikonisiert, damit sich die Folie lösen lässt, ohne Kleber zurückzulassen. Wie leicht es abgeht, merkt man spätestens bei kleinteiligen Buchstaben.

Die Klebeschicht entscheidet über fast alles: ob die Folie sich noch verschieben lässt, ob Blasen bleiben, ob sie nach Jahren rückstandsfrei abgeht. Dazu unten mehr.

Der Farbfilm ist das, was man sieht. Seine Herstellungsart bestimmt, wie er sich verhält — der wichtigste Punkt bei der Auswahl.

Das Laminat kommt bei Digitaldruck darüber. Es schützt die Tinte vor UV-Licht, Kratzern und Reinigungsmitteln. Ohne Laminat verblasst ein Druck im Außenbereich deutlich schneller. Wichtig: Laminat und Folie sollten aus derselben Familie stammen — ein kalandriertes Laminat auf gegossener Folie macht deren Vorteil zunichte.

Gegossen oder kalandriert — der Unterschied, auf den es ankommt

Beide bestehen aus Weich-PVC. Der Unterschied liegt in der Herstellung, und daraus folgt das ganze Verhalten in der Praxis.

Gegossene Folie (Cast)

Die flüssige Masse wird auf ein Gießband gegossen und trocknet aus. Sie wird dabei nicht gedehnt und bleibt deshalb spannungsfrei. Eine gegossene Folie „will“ nicht in ihre Ausgangsform zurück. Sie ist dünner, legt sich in Rundungen und Sicken und bleibt dort. Entsprechend teurer.

Kalandrierte Folie

Die Masse wird zwischen Walzen zu einer Bahn ausgewalzt. Dabei entstehen innere Spannungen — die Folie behält gewissermaßen die Erinnerung an ihre Dehnung. Auf ebenen Flächen stört das nicht. Über Kanten und in Vertiefungen arbeitet sie sich mit der Zeit zurück, sichtbar als zurückweichende Ränder.

Innerhalb der kalandrierten Folien unterscheidet man noch danach, womit sie weich gemacht wurden: monomer weichgemachte Folien sind die günstigsten und am wenigsten formstabil, polymer weichgemachte liegen dazwischen.

GegossenKalandriert
Herstellungauf dem Gießband, spannungsfreizwischen Walzen ausgewalzt
Dickedünnerdicker
Formstabilitäthoch, kein RückstellenRückstellkräfte vorhanden
Gut fürFahrzeuge, Rundungen, Sicken, Vollverklebungebene Flächen, Schilder, Schaufenster
Standzeitlangkürzer
Preishöhergünstiger

Die Faustregel: Alles, was nicht eben ist, verlangt gegossene Folie. Wer an einer Fahrzeugverklebung an der Folie spart, zahlt es bei der Nacharbeit zurück.

Der Kleber entscheidet über den Ausgang

Der Kleber ist der am meisten unterschätzte Teil. Er bestimmt, wie viel Zeit zum Ausrichten bleibt, ob Luft entweichen kann und wie die Folie später wieder abgeht.

Permanent oder ablösbar

Permanent heißt nicht „für immer“, sondern: nach dem Aufbau der Endhaftung nicht mehr zerstörungsfrei zu lösen. Ablösbar (removable) lässt sich innerhalb eines gewissen Zeitraums wieder abziehen — die Angabe des Herstellers ist hier maßgeblich, und sie gilt nur bei sachgerechter Verklebung.

Acrylat oder Kautschuk

Acrylatkleber sind alterungs- und UV-beständig und die Regel bei Außenanwendungen. Kautschukkleber haften anfangs stärker und auf schwierigen Untergründen besser, vertragen aber weniger Witterung.

Luftkanäle

Feine Rillen in der Klebeschicht lassen eingeschlossene Luft entweichen, statt sie als Blase stehen zu lassen. Bei großen Flächen — Fahrzeugseiten, Schaufenster — macht das den Unterschied zwischen einer sauberen Verklebung und einer Stunde Nacharbeit mit der Nadel.

Repositionierbar und gedeckt

  • Repositionierbar: Der Kleber greift zunächst nur punktuell, die Folie lässt sich noch anheben und neu ansetzen. Erst der Anpressdruck stellt den vollen Verbund her.
  • Grau oder schwarz gedeckt: Eine eingefärbte Klebeschicht verhindert, dass der Untergrund durchscheint. Nötig, wenn über eine alte Beschriftung oder auf farbigen Lack geklebt wird.

Welche Folie wofür

AnwendungPassende FolieWarum
Fahrzeugbeschriftung, teilverklebtgegossen oder hochwertig polymerKanten und leichte Wölbungen
Fahrzeugvollverklebunggegossen, mit LuftkanälenSicken, Rundungen, große Flächen
Schilder und ebene Plattenkalandriertkeine Verformung nötig, günstiger
Schaufenster innenablösbar, oft kalandriertwird saisonal gewechselt
Über alte Beschriftunggedeckter Kleberverhindert Durchscheinen
Bedruckte AußenwerbungFolie plus passendes LaminatUV-Schutz für die Tinte
Boden im InnenbereichBodenfolie mit RutschhemmungTrittsicherheit ist vorgeschrieben

Was in der Praxis schiefgeht

  • Der Untergrund war nicht sauber. Silikon, Wachs und Reinigerreste sind die häufigste Ursache für Ablösungen. Entfetten, nicht nur abwischen.
  • Es war zu kalt. Kleber brauchen Temperatur, um zu fließen und Kontakt aufzubauen. Bei Kälte haftet die Folie scheinbar — und löst sich Wochen später.
  • Nach dem Verlegen nicht nachgewärmt. In Sicken und über Kanten muss die Folie mit Wärme entspannt werden, sonst zieht sie sich zurück. Das gilt auch für gegossene Ware.
  • Endhaftung nicht abgewartet. Der Kleber braucht Zeit, oft Tage. Wer vorher wäscht oder mit dem Hochdruckreiniger arbeitet, löst die Kante wieder an.
  • Laminat und Folie passen nicht zusammen. Ein steifes Laminat nimmt einer weichen Folie die Verformbarkeit.

Klebebänder: wenn nicht die Folie klebt, sondern das Band

Neben der Folie selbst braucht die Werkstatt Klebebänder — und zwar öfter, als man denkt: Übertragungsband für geplottete Buchstaben, doppelseitige Bänder für die Schildmontage, Abklebeband für Lackier- und Airbrush-Arbeiten.

Dafür verweisen wir auf CHEM-TEC Klebetechnik. Dort gibt es das Sortiment einschließlich Zuschnitt und Konfektionierung:

Weiterlesen und passende Technik

Unsicher bei der Auswahl? Rufen Sie an — 03322 2790-0. Wir sagen Ihnen, welche Folie zu Ihrem Untergrund und Ihrer Standzeit passt, und was sie kostet.