Print & Cut: Vorbereitung, Daten und die häufigsten Fehler
Drucken und Konturschneiden in einem Gerät spart einen ganzen Arbeitsgang — wenn die Daten stimmen. Geht etwas schief, merkt man es erst, wenn der Druck schon auf der Rolle ist und das Messer danebenschneidet. Diese Seite geht der Reihe nach durch, worauf es ankommt.
Wie Print & Cut funktioniert
Das Gerät druckt zuerst das Motiv und dazu vier Passermarken. Danach fährt der Sensor über diese Marken und misst, wo das Material tatsächlich liegt — denn Folie verzieht sich beim Drucken durch Wärme, und die Rolle läuft nie exakt gerade. Erst mit dieser Messung weiß die Maschine, wo die Kontur wirklich hin muss.
Daraus folgt das Wichtigste: Der Schnitt wird nie besser als die Passermarken. Sind sie verwischt, zu klein oder liegen sie zu dicht am Rand, findet der Sensor sie nicht — oder ungenau.
Vorbereitung: bevor Sie drucken
Material einlegen
- Gerade einziehen. Ein schief eingelegtes Material läuft über die Bahnlänge weg. Bei langen Aufträgen erst ein Stück laufen lassen und prüfen.
- Andruckrollen richtig setzen. Sie gehören über die Transportriffeln, nicht dazwischen. Falsch gesetzt rutscht das Material.
- Rollendurchmesser und Spannung prüfen. Eine zu straff gespannte Rolle zieht, eine zu lose schlägt Falten.
Messer und Schnitttiefe
Die Klinge soll die Folie durchtrennen, das Trägerpapier aber nur anritzen — das nennt sich Kiss-Cut. Stellen Sie den Druck an einem Reststück ein: Die Folie muss sich sauber abheben lassen, auf dem Träger darf man den Schnitt gerade eben sehen, aber nicht hindurchsehen. Zu tief geschnitten reißt das Trägerpapier, und die Rolle verzieht sich beim Weiterlaufen.
Erst laminieren oder erst schneiden?
Wenn der Druck laminiert werden soll: erst laminieren, dann schneiden. Die Passermarken bleiben durch das Laminat hindurch lesbar, solange es glasklar ist. Bei mattem oder strukturiertem Laminat kann der Sensor Probleme bekommen — dann vorher an einem Reststück testen. Umgekehrt geht es fast nie gut: Ein geschnittenes Motiv lässt sich kaum noch passgenau laminieren.
Der Datenaufbau
Die Schnittkontur als eigene Volltonfarbe
Die Kontur ist keine gedruckte Linie, sondern eine Anweisung an das Messer. Deshalb bekommt sie eine eigene Volltonfarbe (Sonderfarbe, Spot Color) mit einem festen Namen — üblich ist CutContour. Der RIP erkennt sie am Namen und schickt sie an das Schneidwerk statt an die Druckköpfe.
- Der Name muss exakt stimmen, auch in der Groß- und Kleinschreibung.
CutcontouroderCutConturwird nicht erkannt und einfach mitgedruckt. - Die Farbe muss als Volltonfarbe angelegt sein, nicht als Prozessfarbe. In Illustrator: Farbfeldoptionen, Farbart auf Volltonfarbe.
- Die Kontur bekommt Kontur, keine Fläche — eine gefüllte Form ergibt beim Schneiden Unsinn.
- Auf Überdrucken stellen. Sonst stanzt die Konturlinie ein weißes Loch in das Motiv darunter.
Wer mit FineCut arbeitet — dem Plug-in für Illustrator und CorelDRAW, das bei Mimaki-Geräten dabei ist — lässt sich die Kontur und die Passermarken davon erzeugen. Das erspart die Handarbeit und die typischen Benennungsfehler.
Die Kontur selbst
- Eine geschlossene Kurve, kein offener Pfad. Offene Pfade führen zu abgesetzten Schnitten.
- So wenig Ankerpunkte wie möglich. Eine automatisch erzeugte Kontur mit tausenden Punkten lässt das Messer zittern und kostet Zeit. Vereinfachen, bevor sie an die Maschine geht.
- Keine spitzen Innenecken unter etwa 30 Grad. Da kommt ein Schleppmesser nicht sauber herum — runden Sie sie leicht ab.
- Keine doppelten Pfade übereinander. Die Maschine schneidet beide, und das zweimal an derselben Stelle reißt die Folie.
Überfüllung: der Rand, der Fehler verzeiht
Legen Sie das Motiv über die Schnittkontur hinaus an — ein bis zwei Millimeter genügen meist. Diese Überfüllung ist Ihre Versicherung: Weicht der Schnitt um einen halben Millimeter ab, schneidet er immer noch ins Motiv statt daneben, und es entsteht kein weißer Blitzer am Rand. Ohne Überfüllung sieht man jede Abweichung sofort.
Passermarken
- Abstand zum Materialrand einhalten. Jedes Gerät hat einen Mindestabstand — steht die Marke zu weit außen, kommt der Sensor nicht hin.
- Nichts über die Marken legen. Kein Motiv, kein Hintergrund, keine Hilfslinie. Die Fläche um die Marke muss weiß bleiben.
- Nicht auf farbigem oder metallisiertem Material. Der Sensor arbeitet über den Kontrast. Auf silberner oder dunkler Folie versagt er — dort hilft ein weiß hinterlegtes Feld für die Marken.
- Bei langen Bahnen Zwischenmarken setzen. Über mehrere Meter reichen vier Ecken nicht, um den Verzug abzubilden.
Die häufigsten Fehler — und woran man sie erkennt
- Der Schnitt sitzt gleichmäßig daneben. Meist ein Versatz zwischen Druckkopf und Messer — die Maschine muss kalibriert werden. Jedes Print-&-Cut-Gerät hat dafür eine Routine.
- Der Schnitt wandert über die Länge. Material läuft schief oder rutscht. Andruckrollen und Einzug prüfen, Rollenspannung nachstellen.
- Die Maschine findet die Marken nicht. Zu wenig Kontrast, Motiv zu nah an der Marke, mattes Laminat oder verschmutzter Sensor.
- Weißer Rand am fertigen Aufkleber. Keine Überfüllung angelegt.
- Die Konturlinie ist mitgedruckt. Volltonfarbe falsch benannt oder nicht auf Überdrucken gestellt.
- Ecken sind abgerundet, obwohl sie spitz sein sollen. Das ist die Bauart des Schleppmessers. Wo es wirklich spitz sein muss, braucht es einen Tangentialschnitt.
- Die Folie reißt beim Entgittern. Zu tief geschnitten, oder die Klinge ist stumpf. Eine Klinge ist ein Verschleißteil — wer sie zu lange fährt, arbeitet gegen sich selbst.
Weiterlesen und passende Technik
- Print-&-Cut-Systeme — die Geräte, die beides in einem Durchgang können
- Folien: Aufbau und Kleber — welche Folie sich wie schneiden lässt
- Plotterfolie für Beschriftungen — Folientypen und Schnitteinstellungen
- Schneideplotter — wenn Druck und Schnitt getrennt laufen sollen
- Schulung & Training — wir zeigen es Ihnen an Ihrer Maschine
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